Warum die Kennzahl „Fehltage je 100 Beschäftigte“ so entscheidend ist
Um das Ausmaß psychischer Erkrankungen zu verstehen und fundierte Entscheidungen zu treffen, braucht es vergleichbare und aussagekräftige Kennzahlen. Die Berechnung von Fehltagen je 100 Beschäftigte ist in diesem Zusammenhang besonders hilfreich – aus mehreren Gründen:
Vergleichbarkeit zwischen Unternehmen und Branchen
Ein Unternehmen mit 50 Mitarbeitenden hat naturgemäß eine andere absolute Anzahl an Fehltagen als ein Konzern mit 5.000 Angestellten. Die normierte Kennzahl erlaubt einen Vergleich auf Augenhöhe, unabhängig von der Unternehmensgröße. Sie zeigt, wie stark ein Unternehmen oder eine Branche im Verhältnis betroffen ist.
Darstellung von Trends und Entwicklungen
Durch die Zeitreihen-Darstellung lassen sich Entwicklungen konkret nachvollziehen:
- 2023: 323 psychisch bedingte Fehltage je 100 Beschäftigte
- 2024: 342 psychisch bedingte Fehltage je 100 Beschäftigte
Diese Entwicklung bedeutet: Die Zahl der psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeitstage steigt kontinuierlich an – mit erheblichen Auswirkungen auf Produktivität und Teamstruktur.
Anschlussfähigkeit an statistische Standards
Die Bezugsgröße ist anschlussfähig an die Datensysteme der gesetzlichen Krankenkassen, der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) sowie des Statistischen Bundesamts. Dies erleichtert HR-Verantwortlichen und Geschäftsführungen die Vergleichbarkeit und Argumentation gegenüber Stakeholdern.
Planung und Kostenabschätzung für Unternehmen
Ein einfaches Rechenbeispiel:
Bei 342 Fehltagen je 100 Beschäftigte ergibt sich für ein Unternehmen mit 500 Mitarbeitenden:
500 / 100 = 5 → 5 × 342 = 1.710 psychisch bedingte Fehltage/Jahr.
Das entspricht:
- ca. 7 Vollzeitstellen pro Jahr, die faktisch ausfallen
- durchschnittlich 3,4 Fehltage pro Beschäftigten allein aufgrund psychischer Ursachen
Folgekosten durch Produktionsausfall, Vertretung, Wiedereingliederung und mögliche Kündigungsrisiken kommen hinzu.
Die betriebswirtschaftliche Dimension psychischer Erkrankungen
Fehlzeiten kosten – und zwar viel
Psychische Erkrankungen zählen zu den teuersten Krankheitsbildern im betrieblichen Kontext. Laut der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) beliefen sich die durchschnittlichen Kosten allein durch den Produktionsausfall je AU-Tag im Jahr 2021 auf 128 Euro. Bei 1.710 psychisch bedingten Fehltagen pro Jahr in einem 500-Personen-Unternehmen bedeutet das:
1.710 Tage × 128 EUR = 218.880 EUR Kosten
Dazu kommen:
- Fluktuationskosten bei Kündigungen oder internen Versetzungen
- Verlust von Erfahrungswissen
- Zeitaufwand für interne Fallsteuerung ohne belastbare Struktur
Auswirkungen auf Teamklima und Führung
Fehlzeiten einzelner Mitarbeitender belasten Teams. Aufgaben müssen umverteilt, Projekte verzögert, Belastungen kompensiert werden. Führungskräfte stehen unter Druck, ohne klare Handlungslinien zu agieren – ein Nährboden für Unsicherheit, Überforderung und weitere psychische Belastungen im Team.