BEM-Gespräche: einfach mal miteinander reden?
Es muss immer wieder betont werden: BEM-Gespräche sind keine therapeutischen Gespräche. Therapie gehört in die Hände ausgebildeter psychologischer Psychotherapeuten in ein entsprechendes Setting. Allerdings ist BEM-Beratung auch psychosoziale Beratung. Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) mit psychisch erkrankten Mitarbeitern, BEMpsy, macht dies verstärkt deutlich.
Dennoch soll am Beispiel der oben erwähnten als selbstverständlich vorausgesetzten Ausbildung in Gesprächsführung bei der Arbeit von Psychologen im Folgenden aufgezeigt werden, was diese Gespräche im Vergleich mit herkömmlichen Gesprächen in beruflichen Zusammenhängen unterscheidet und damit notwendig macht.
Das unterscheidet Gespräche mit Gesprächstechniken von Gesprächen in anderen beruflichen Kontexten
Gesprächsführungstechniken dienen dazu, ein vertrauensvolles und offenes Gesprächsklima zu schaffen und dem Klienten dabei zu helfen, seine Gedanken, Gefühle und Verhaltensmuster zu erkunden und zu verstehen. Dies ist gerade bei BEM-Gesprächen mit psychisch belasteten oder erkrankten Mitarbeitern (BEMpsy) wertvoll. Denn das Eingeständnis und Offenlegung einer psychischen Erkrankung ist häufig schambehaftet und diese Erkrankungen sind leider auch heute noch vom Umfeld vorurteilsbeladen.
Darüber hinaus helfen Gesprächstechniken dabei, ein Gespräch zu strukturieren und gezielt auf bestimmte Themen und Fragestellungen zu fokussieren. Das ermöglicht es, effektiver auf die Bedürfnisse des Erkrankten einzugehen und ihn besser zu unterstützen. Dieser fühlt sich dadurch ermutigt, seine Gedanken und Gefühle auszudrücken, ohne Angst vor Ablehnung oder Kritik zu haben. Und sie erleichtern die Selbstreflexion, in dem das Gegenüber die eigenen Gedanken und Gefühle reflektiert und besser versteht. Durch gezielte Fragen wird der erkrankte Mitarbeiter unterstützt, neue Perspektiven und Einsichten zu gewinnen. Wertfreies Feedback unterstützt, neue Verhaltensweisen zu erproben und sich auf positive Veränderungen zu konzentrieren.
Gesprächstechniken dienen auch dazu, schwierige Themen anzusprechen oder emotional aufgeladene Situationen erfolgreich zu bewältigen. Gezielte Fragen, bestimmte Fragetechniken, Fragetypen und Interventionen wird dazu ermutigt, bisherige Sichtweisen zu überdenken und alternative Perspektiven zu entwickeln. Gleichzeitig kann so Unterstützung, Bestärkung und Feedback gegeben werden, um den Mitarbeiter auf seinem Weg zu begleiten.
Gesprächstechniken unterstützen den Berater dabei, eine professionelle Distanz zu wahren und keine persönlichen Werturteile oder Empfehlungen zu geben, das Gesprächsziel im Blick zu behalten und eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, in der sich der erkrankte Mitarbeiter sicher und wohl fühlt.
BEM-Gespräche scheitern jedoch nicht selten an fehlender Professionalität, weil die Teilnehmer am BEM-Gespräch nicht die erforderliche Kompetenz und Professionalität mitbringen, um die Anforderungen des Gesprächs zu erfüllen und dies zu Missverständnissen führt. Die häufigsten Gründe für das Scheitern liegen jedoch auf einer vorgelagerten Ebene: der Mangel an Gesprächsvorbereitung und Gesprächsstruktur für das BEM-Gespräch, worauf nicht selten ein Mangel an Vertrauen beim erkrankten Mitarbeiter folgt.
Die Kompetenzen des Fallmanagers im BEM-Gespräch
Es ist sinnvoll, in Kompetenzen des BEM-Beraters und der Ausbildung in Gesprächsführung und Umsetzung von Gesprächstechniken zu unterscheiden.
Für das Führen von BEM-Gesprächen sollten der BEM-Beauftragte oder (externe) BEM-Berater über folgende Kompetenzen und Fähigkeiten verfügen: Empathie, Kommunikationsfähigkeit, Konfliktlösungsfähigkeit, Sensibilität und Fachwissen.
Empathie: Es ist wichtig, dass BEM-Berater über Einfühlungsvermögen verfügen und die Perspektive des betroffenen Mitarbeiters verstehen können. Nur so können sie angemessen auf seine Bedürfnisse und Wünsche eingehen. Hierbei helfen auch die oben erwähnten Gesprächstechniken, die im Idealfall beim erkrankten Mitarbeiter zu Vertrauen und Offenheit führen und damit dessen Situation besser nachempfinden lassen.
Kommunikationsfähigkeit: Der (externe) BEM-Fallmanager sollte in der Lage sein, klar und verständlich zu kommunizieren und auf die Bedürfnisse des betroffenen Mitarbeiters einzugehen. Dabei sollte er auch flexibel auf verschiedenste Personen und Zielgruppen reagieren: den eigenen Sprachgebrauch hinterfragen und sich auf dem des Gegenüber einstellen.
Konfliktlösungsfähigkeit: BEM-Gespräche können manchmal schwierige Themen und Konflikte mit sich bringen. Es ist wichtig, dass BEM-Berater in der Lage sind, Konflikte auf eine professionelle und konstruktive Art und Weise zu lösen.
Sensibilität: Es gilt sensibel auf die Bedürfnisse und Wünsche des betroffenen Mitarbeiters eingehen und dabei auch Aspekte wie Diskriminierung und Stigmatisierung berücksichtigen.
Fachwissen: BEM-Berater sollten über ausreichendes Fachwissen und Kenntnisse in Bezug auf das BEM und die rechtlichen Rahmenbedingungen verfügen. Dies gilt insbesondere bzgl. des Arbeitsrechts, Sozialrechts und Datenschutzes. Für BEMpsy sind Kenntnisse zu Diagnosen aus dem Bereich der Psychologie und Psychiatrie unabdingbar.
Praxiserfahrung in Beratung: Hinzu kommt, dass der BEM-Fallmanager über mindestens mehrjährige Beratungserfahrung verfügt. Mehrsemestrige Veranstaltungen in Beratung und Gesprächsführung finden sich insbesondere in Studiengängen der Psychologie und Pädagogik.
Förderlich ist, wenn der BEM-Berater im regionalen Gesundheits- und Sozialwesen gut vernetzt ist.
Insgesamt ist es empfehlenswert, dass die Personen, die BEM-Gespräche führen, in Gesprächstechniken ausgebildet sind, um die erforderlichen Kompetenzen und Fähigkeiten zu erwerben und sicherzustellen, dass der BEM-Prozess effektiv und professionell durchgeführt wird.
Unreflektierte Kommunikation des BEM-Beraters aus dem Bauch heraus: „Na sehen Sie, Sie lachen ja schon wieder“
Es ist zu befürchten, dass mancher BEM-Berater „selbstbewusst“ sagt: „Viele Kompetenzen bringe ich schon mit: Ich bin sensibel, empathisch und kommunikativ.“ Vielleicht sollte deshalb auf in der beruflichen Praxis häufig zu beobachtende Missverständnisse eingegangen werden. Empathie heißt nicht, mit dem Erleben des erkrankten Mitarbeiters mitzuschwimmen. Auch warmherzige Worte sind weder Ausdruck von Empathie noch wirken sie auf den anderen authentisch. Phrasen des BEM-Fallmanagers wie „Na sehen Sie, Sie lachen ja schon wieder“ führen dazu, dass sich der betroffene Mitarbeiter nicht ernstgenommen fühlt, das Vertrauen sinkt auf den Nullpunkt.
Ablauf des BEM-Verfahrens: limitierte Anzahl der BEM-Gespräche fordern die Beratungskompetenz des Fallmanagers
Ähnliches ist in Sachen Kommunikationsfähigkeit zu beobachten: Es kommt nicht darauf an möglichst gesprächig zu sein, sondern den Kern des Anliegens zu erkennen und auf ihn zu fokussieren. Manch „Kommunikationsfähigen“ gruselt es vielleicht davor, aber auch und insbesondere vor dem Hintergrund einer begrenzten Anzahl und der zeitlichen Limitierung von BEM-Gesprächen im Verfahren des betrieblichen Eingliederungsmanagement geht es auch in der Kommunikation um Effektivität, um effektive Kommunikation, Kommunikation die wirkt, die ablenkende Randthemen möglichst ausblendet.