Wenn BEM-Fälle eskalieren, liegt die Ursache häufig nicht am fehlenden Maßnahmenwissen, sondern an instabiler Fallsteuerung. Entscheidungen bleiben zwischen HR und Führung hängen, Erwartungen werden nicht sauber geklärt und im Konflikt kippt das Gespräch schnell in Rechtfertigung oder Rückzug. Typische Symptome sind Rückstau, offene Zuarbeit, endlose Abstimmungen, Abbrüche aus Frust und eine Dokumentation, die entweder zu dünn ist, weil niemand den nächsten Schritt festlegt, oder unnötig umfangreich, weil man sich absichern will. Die Folge sind verzögerte Maßnahmenstarts, steigende Reibungsverluste und ein Verfahren, das sich nicht zuverlässig nachhalten lässt.
Dieses Live Online Tagesseminar macht BEM-Komplexfälle wieder planbar. Sie erkennen Blockaden früh, steuern Konflikte professionell und vermeiden Abbrüche durch klare Regeln für Entscheidungen und Eskalation, praxistaugliche Gesprächsbausteine für Widerstandssituationen und eine verbindliche Nachsteuerung über einen festen Folgetermin als Wiedervorlage. Ergebnis sind weniger Hängefälle, ein schnellerer Maßnahmenstart und eine schlanke, zugleich juristisch belastbare Dokumentation, damit komplexe Verläufe nicht eskalieren, sondern verlässlich geführt werden.
Rechtlich fundiert. Psychologisch geschult. Ökonomisch gedacht.
HR Fokus • BEM Online-Tagesseminare für Personalleitung & HR-Management, BEM-Beauftragte und Personalreferent*innen: von Grundlagen bis Spezialfällen.
Live-online bundesweit aus Kassel/Nordhessen und Projekterfahrung u. a. für Teams in Fulda, Göttingen, Hannover, Frankfurt am Main, Dortmund und Hamburg.
Veranstaltungsnummer: B-HR-OS 12-2026
Worum es in diesem Seminar wirklich geht
BEM-Komplexfälle sind in der Praxis oft keine reine Diagnosenfrage, auch wenn psychische Erkrankungen Verläufe hartnäckig machen können. Komplex wird es vor allem dann, wenn mehrere Ursachen gleichzeitig wirken, die Rückkehrperspektive unklar bleibt und viele Beteiligte eingebunden sind, etwa Führung, HR, Arbeitsmedizin, Betriebsrat, Schwerbehindertenvertretung oder externe Stellen. Verbindlichkeit geht verloren, Entscheidungen werden vertagt, Standardmaßnahmen greifen nicht und der Fall bleibt lange offen, mit wiederholten Gesprächen, aber ohne Abschluss. Eskalationen zeigen sich dann als Widerstand, Misstrauen, Vorwürfe, Parallelkommunikation, blockierte Entscheidungen oder Druck über Beschwerdewege und externe Begleitung.
Genau hier setzt das Seminar an. Es macht BEM Komplexfälle wieder steuerbar, wenn Gespräche entgleisen, Entscheidungen ausbleiben und ein Abbruch droht. Im Mittelpunkt stehen klare Gesprächsformate für schwierige Situationen, eindeutige Entscheidungspunkte und eine verbindliche Nachsteuerung über einen festen Folgetermin als Wiedervorlage. Sie lernen, Blockaden früh zu erkennen und sauber zu unterscheiden, Konflikte professionell zu führen und den Fall wieder in arbeitsbezogene nächste Schritte zu bringen, mit klarer Zuständigkeit und Termin. Ergebnis sind weniger Hängefälle und Abbrüche, ein schnellerer Maßnahmenstart, mehr Verbindlichkeit und eine schlanke, arbeitsbezogene Dokumentation, die juristisch belastbar bleibt.
Für wen ist das Seminar?
Dieses Live-Online-Tagesseminar richtet sich an HR, HR Business Partner, BEM-Beauftragte, BEM-Koordinator:innen, Personalreferent:innen, BGM-Fachkräfte, Case-Manager sowie BEM-Verantwortliche in Integrationsteams, die BEM-Fälle auch dann handlungsfähig steuern müssen, wenn es schwierig wird: Widerstand, Misstrauen, Konflikte, Parallelkommunikation oder blockierte Entscheidungen. Ziel ist, dass Komplexfälle nicht kippen, sondern in eine klare Prozessspur zurückgeführt werden – mit passenden Gesprächsformaten, definierten Entscheidungspunkten und einem festen Folgetermin zur Nachsteuerung (Wiedervorlage).
Besonders relevant ist das Seminar für alle, die erleben, dass BEM weniger an fehlendem Wissen scheitert, sondern an Eskalationsdynamik: Gespräche entgleisen, Positionen verhärten, Zuständigkeiten werden geschoben, und aus einem Lösungsprozess wird eine Konfliktlage. Dann entstehen Rückstau, offene Zuarbeit, endlose Abstimmungen – und Abbrüche „aus Frust“. Das Seminar stärkt Ihre Praxisroutine, um Konflikte professionell zu führen, Eskalationen zu deeskalieren und Entscheidungen wieder möglich zu machen.
Besonders passend ist das Seminar, wenn im Alltag typische Situationen auftreten wie:
- „Das Gespräch kippt – und am Ende geht jeder ohne nächsten Schritt aus dem Termin.“
- „Der Mitarbeitende blockiert oder misstraut der Dokumentation – wir kommen nicht mehr voran.“
- „Führung will schnelle Ruhe, HR will sauber bleiben – Entscheidungen werden vertagt.“
- „Es gibt Parallelkommunikation (Beschwerdewege, externe Begleitung) – der Fall eskaliert.“
- „Wiedereingliederung startet, dann Rückfall – danach dominiert die Schuldfrage statt Nachsteuerung.“
- „Viele Beteiligte, aber kein klares Setting: Wer spricht wann mit wem – und wer entscheidet was bis wann?“
Das Seminar ist ideal für alle, die Eskalations- und Abbruchprävention im BEM operativ verantworten oder vorbereiten. Sie gewinnen eine praxistaugliche Ordnung: Blockaden sauber einordnen (Entscheidung/Mitwirkung/nächster Schritt), Gesprächsformate zielklar aufsetzen, Zuständigkeiten je Schritt festlegen und eine verbindliche Review-/Wiedervorlage-Routine etablieren – damit Komplexfälle anschlussfähig bleiben, Maßnahmen schneller starten und Abbrüche deutlich seltener werden.
Ergebnis nach einem Tag
Damit enden BEM-Komplexfälle nicht mehr im „wir drehen uns im Kreis“, sondern werden unter Druck wieder führbar: Konflikte werden in passende Gesprächsformate gebracht, Entscheidungen werden herbeigeführt und Nachsteuerung passiert nicht zufällig, sondern über einen festen Folgetermin (Wiedervorlage). Im Ergebnis heißt das: weniger Abbrüche, weniger Eskalationsdynamik, schnellerer Maßnahmenstart und ein Fallverlauf, der sich arbeitsbezogen und juristisch belastbar nachhalten lässt.
- Eskalationen im BEM früh einordnen (statt Improvisation):
Sie erkennen früh, ob es um Entscheidungsblockade, Mitwirkungsblockade oder fehlenden nächsten Schritt geht – und wählen die passende Intervention. Ergebnis: weniger „Aktionismus“, mehr zielgerichtete Steuerung. - Gesprächsformate, die Konflikte entschärfen („wer spricht wann mit wem“):
Sie arbeiten mit klaren Settings (z. B. Vorgespräch HR–Mitarbeitender, Vorgespräch HR–Führung, moderiertes Dreiergespräch, Review-Termin). Ergebnis: Gespräche entgleisen seltener, Verantwortlichkeiten werden nicht hin- und hergeschoben. - Deeskalationswerkzeuge für kritische Momente im BEM-Gespräch:
Sie üben Formulierungen und Gesprächsführung, um Vorwürfe, Misstrauen und Widerstand aufzunehmen, ohne sich zu rechtfertigen oder den Abbruch zu provozieren. Ergebnis: HR bleibt handlungsfähig, auch wenn der Ton scharf wird. - Entscheidungspunkte mit Termin und Wiedervorlage (statt Maßnahmenlisten ohne Abschluss):
Sie legen pro Fall den nächsten Entscheidungspunkt fest und verbinden ihn mit einem Termin. Was wird bis wann geprüft, wer entscheidet, welche Variante ist möglich. Ergebnis: weniger Vertagung, mehr Verbindlichkeit, auch gegenüber der Führung. - Nachsteuerung als Standard: fester Folgetermin statt Funkstille:
Sie setzen eine Wiedervorlage-Routine auf, die Wirkung prüft und Anpassung auslöst (z. B. nach Gespräch, nach Start einer Maßnahme, nach Wiedereingliederungsstufe). Ergebnis: weniger Rückfälle in Stillstand, weniger Neustarts. - Eskalationsweg ohne Gesundheitsdetails (pragmatisch, arbeitsbezogen):
Sie definieren eine klare Regel: Wenn Zuarbeit ausbleibt, Entscheidungen blockiert werden oder der Fall kippt, erfolgt nach einem Zeitfenster die nächste Klärungsebene – fokussiert auf Umsetzbarkeit, Zuständigkeit, Terminlage. Ergebnis: Stillstand wird kürzer, Konflikte werden beherrschbar. - Schlanker Dokumentationsrahmen für Eskalations- und Konfliktsteuerung:
Sie arbeiten mit einem Minimum, das Nachvollziehbarkeit schafft: Setting, Entscheidungspunkt, Zuständigkeit, Termin, Ergebnis, nächster fester Folgetermin. Ergebnis: weniger Risiko durch Überdokumentation und weniger Risiko durch „zu dünn“ – ohne Abdrift ins Datenschutzseminar.
Seminarinhalt
Dieses BEM Online Tagesseminar ist konsequent auf Problem, Lösung und Umsetzung aufgebaut. Im Fokus steht die steuerbare Führung von BEM-Komplexfällen und Eskalationen, damit Blockaden gelöst, Abbrüche vermieden und Maßnahmen verlässlich zum nächsten Schritt geführt werden.
Eskalationsmuster erkennen und früh stoppen
Misstrauen, Parallelkommunikation, Schuldzuweisungen und Abbruchsignale erkennen
Klären, was den Fall festhält, ohne Gesundheitsdebatten zu führen
Frühwarnsignale in Rückstau, Funkstille und offenen Zuarbeiten lesen
Blockaden im Fallverlauf sauber einordnen
Entscheidung bleibt aus, Mitwirkung fehlt oder der nächste Schritt ist unklar
Passende Intervention wählen statt noch ein Gespräch ohne Ergebnis
Arbeitsbezogen bleiben: Aufgabenprofil, Ressourcen, Zuständigkeit, Terminlage
Gesprächsrahmen und Settings für schwierige Fälle
Gesprächsrahmen schaffen: Schutz, Klarheit, Grenzen, Struktur
Wer spricht wann mit wem und wozu, je nach Lage im Fall
Moderation nutzen, wenn Fronten entstehen
Deeskalation im BEM Gespräch unter Druck
Vorwürfe, Misstrauen und Widerstand aufnehmen, ohne Rechtfertigung
Schwierige Botschaften sicher vermitteln, ohne Eskalation zu verschärfen
Handlungsfähig bleiben, auch wenn der Ton scharf wird
Entscheidungen vorbereiten und Verbindlichkeit herstellen
Optionen als prüfbare Varianten aufbereiten, statt Wunschlisten
Konsequenzen für den Arbeitsalltag klären und Entscheidung ermöglichen
Verantwortliche benennen und Vertagungen vermeiden
Individuelle Maßnahmen unter Konfliktbedingungen
Klein starten, Wirkung prüfen, Schrittfolge vereinbaren
Routinen vermeiden, die Widerstand verstärken
Standardmaßnahmen nur, wenn sie im Fall tatsächlich tragen
Umsetzung und Nachhalten ohne Drohkulisse
Klare Vereinbarungen mit Zuständigkeiten und Terminen
Zuarbeit führen: klare Fragestellung, klares Ergebnis, klarer Termin
Parallelkommunikation und externe Begleitung professionell einhegen
Nachsteuerung, Eskalationsweg und Fallwerkstatt
Fester Review Termin als Wiedervorlage, Anpassungen auslösen
Korrekturschleifen und Deeskalationsrouten festlegen
Reale Fälle in steuerbare Schritte übersetzen, typische Fehlerbilder vermeiden
Preis & Mehrteilnehmer-Regelung
Einzelplatz: 690,00 EUR netto zzgl. USt. (821,10 EUR brutto)
Team-Staffel (netto pro Person):
• 2–3 Teilnehmende aus derselben Organisation: 640,00 EUR
• ab 4-6 Teilnehmenden aus derselben Organisation: 590,00 EUR
• ab 7 Teilnehmenden aus derselben Organisation: 540,00 EUR
Termine (feste Termine und auf Anfrage)
Feste Termine:
- Donnerstag, 07.05.2026, 09:00–16:30 Uhr
- Dienstag, 11.08.2026, 09:00–16:30 Uhr
- Donnerstag, 12.11.2026, 09:00–16:30 Uhr
Zusätzlich: Durchführung auf Anfrage (Teamtermin live-online oder Inhouse).
Storno & Umbuchung
- bis 14 Kalendertage: kostenfrei
- 13–7 Kalendertage: 50 %
- ab 6 Kalendertage / Ausfallregelung: 100 %
- Ersatzteilnehmende jederzeit kostenfrei
Im Preis enthalten
Teilnahme am Online-Tagesseminar. Sie erhalten ein Teilnahmezertifikat sowie praxisorientierte Unterlagen als Nachschlagewerk. Die Inhalte sind BAG orientiert und auf Risikominimierung im BEM-Verfahren ausgerichtet. Hinweis: Die Unterlagen dienen der Orientierung und Umsetzung im Betrieb. Eine Gewähr für die rechtliche Wirksamkeit, Vollständigkeit oder Passgenauigkeit des Verfahrens oder seiner Anwendung wird nicht übernommen.
Dozententeam mit Praxisauftrag
Unsere Seminare werden von Dozentinnen und Dozenten durchgeführt, die neben der Trainingsarbeit auch in der externen BEM-Praxis tätig sind. Dadurch fließen aktuelle Fragestellungen, bewährte Vorgehensweisen und typische Stolperstellen unmittelbar in die Inhalte ein. Ziel ist ein belastbarer Transfer in Ihre BEM-Abläufe, nicht nur Theorie.
Dieses Online-Seminar basiert auf bewährten Präsenzseminaren und ist für das Live Online-Format didaktisch angepasst. Das Seminar ist interaktiv und konsequent auf Umsetzung im Betrieb ausgerichtet, mit klarem Ablauf und konkreten nächsten Schritten.
Teilnehmerstimmen aus vergleichbaren BEM-Seminaren
„hat viele Beispiele aus der Praxis gebracht“
„Hervorragender Dozent, der die Kursinhalte zum BEM fachkundig, praxisnah und lebendig dargestellt hat. Zudem wurden die Kursteilnehmer jederzeit mitgenommen.“
„er ist ganz prima auf unsere Fragen eingegangen“
„ich habe viel mitgenommen“
Auf einen Blick: Drei Hebel, um BEM-Komplexfälle zu entschärfen, Abbrüche zu vermeiden und Konflikte steuerbar zu machen
Komplexfälle sind oft Prozess- und Konfliktfälle
Wenn BEM festhängt, liegt der Engpass häufig bei Vertrauen, Rollenunklarheit, Konflikten oder fehlender Umsetzungsfähigkeit, nicht am „Willen“. Das Seminar liefert praxistaugliche Handlungsroutinen: Frühwarnsignale, Deeskalationsschritte und klare Entscheidungspunkte, damit Fälle wieder vorankommen.
Abbrüche vermeiden: Entscheidungsfähigkeit herstellen statt Druck erhöhen
Abbrüche entstehen, wenn BEM-Gespräche als Pflichttermin erlebt werden oder Ziele, Daten und Beteiligung unklar bleiben. Sie lernen, Gespräche so zu führen, dass die betroffene Person echte Optionen versteht und Entscheidungen treffen kann, mit klarer Abschlussentscheidung und einem festen Folgetermin zur Nachsteuerung (Wiedervorlage).
Konflikte professionell steuern: BEM bleibt arbeitsbezogen und führbar
Bei Eskalationen (Führungskonflikt, Vertrauensverlust, Parallelkommunikation, Standort-/Teamdynamik) braucht es klare Gesprächsformate und eine nachvollziehbare Prozessspur: Kontakt → Optionen → Entscheidung → Maßnahme → Review → Abschluss. So sinkt die Eskalationsdynamik, und die Rückkehr wird stabiler.
Daten, Zahlen, Fakten: Warum BEM-Komplexfälle kippen – und welche Abläufe Abbrüche verhindern
BEM ist juristisch kein Formularprozess, sondern ein „Suchprozess“: genau deshalb eskaliert es, wenn man es wie Pflichtübung führt
Das BAG beschreibt BEM als verlaufs- und ergebnisoffenen Suchprozess, der individuell passende Lösungen zur Vermeidung künftiger Arbeitsunfähigkeit ermitteln soll. Das ist die juristische Begründung dafür, warum Komplexfälle nicht „abgearbeitet“ werden können, sondern gesteuert werden müssen (Format, Beteiligte, nächster arbeitsbezogener Schritt).
https://www.bundesarbeitsgericht.de/wp-content/uploads/2023/04/2-AZR-162-22.pdf
Datenschutz ist Leitplanke; aber kein Abbruchhebel: BEM darf nicht von einer vorformulierten Einwilligung abhängig gemacht werden
Im Verfahren 2 AZR 162/22 hat das BAG klargestellt, dass § 167 Abs. 2 SGB IX keine schriftliche Einwilligung als tatbestandliche Voraussetzung „vorschaltet“. Arbeitgeber dürfen den Prozess nicht blockieren, indem sie BEM nur gegen Unterschrift unter eine vorformulierte Erklärung anbieten. Für Eskalationen heißt das: Misstrauen und Rückfragen sind zu bearbeiten – nicht als „Teilnahmeverweigerung“ zu etikettieren.
https://www.bundesarbeitsgericht.de/entscheidung/2-azr-162-22/
Integrationsamt-Zustimmung ersetzt kein BEM – „wir haben Zustimmung“ ist kein Ende der Prüflogik
Das BAG stellt ausdrücklich klar: Die Zustimmung des Integrationsamts zur krankheitsbedingten Kündigung begründet nicht die Vermutung, dass ein unterbliebenes BEM die Kündigung nicht hätte verhindern können. Praktisch: Genau diese Fehlannahme triggert Eskalationen (Drohkulissen, Parallelwege) – und gehört in die Prozessarchitektur von HR.
https://www.bundesarbeitsgericht.de/wp-content/uploads/2023/04/2-AZR-162-22.pdf
Unterlassenes BEM verschiebt die Darlegungslast – das ist ein harter, „entscheidungsrelevanter“ Punkt für HR und Führung
Wenn der Arbeitgeber trotz Pflicht kein BEM durchführt, muss er im Kündigungskontext darlegen und beweisen, dass auch ein BEM nicht hätte beitragen können, neuerlichen Arbeitsunfähigkeitszeiten entgegenzuwirken und das Arbeitsverhältnis zu erhalten. Das ist ein zentraler Grund, warum Blockaden/Abbrüche nicht „laufen gelassen“ werden sollten.
https://www.bundesarbeitsgericht.de/entscheidung/2-azr-162-22/
Reale Zeitachse zeigt, warum Komplexfälle „lange leben“ – und warum eine Wiedervorlage-/Nachsteuerung im BEM Pflicht ist
Im Fall 2 AZR 162/22 u. a.: durchgehend AU seit 12.12.2014, BEM-Einladung 24.07.2019, Wiedereingliederung 17.09.2019–29.10.2019, Kündigung 26.05.2020. Solche Zeitachsen erzeugen Druck, Seitenkommunikation und Konfliktlinien – ohne klare Status-Taktung und Zuständigkeiten wächst der Rückstau automatisch.
https://www.bundesarbeitsgericht.de/entscheidung/2-azr-162-22/
Gesetzliche Pflicht zum BEM gilt unabhängig von Betriebsgröße und unabhängig davon, ob (Schwer-)Behinderung vorliegt
Das ist in der HR-Praxis ein wiederkehrender Eskalationstreiber („betrifft uns nicht / zu klein / keine SBV“).
https://www.ihk.de/gera/recht-und-steuern/fokus-bem/rechte-u-pflichten-6664456
Praxisfälle aus dem betrieblichen Eingliederungsmanagement
Die folgenden Praxisfälle zeigen typische Bruchstellen bei BEM-Komplexfällen und Eskalationen und was im Betrieb konkret fehlt, wenn Gesprächsformate, Entscheidungspunkte und Nachsteuerung nicht sauber geführt werden. Ziel ist nicht „mehr reden“, sondern wieder Entscheidungsfähigkeit herzustellen, Abbrüche zu vermeiden und Konflikte arbeitsbezogen steuerbar zu halten.
BEM Praxisfall 1: Vorwurf im Gespräch, Gespräch kippt, Fall bleibt liegen
Typischer Effekt: Nach dem Termin gibt es Parallelkommunikation, Rückstau und Stillstand.
Ausgangslage: Im BEM Gespräch sagt der Mitarbeitende gleich zu Beginn: „Sie wollen mich doch loswerden.“ Die Führungskraft reagiert gereizt. Die BEM Fallverantwortliche versucht zu beruhigen und erklärt lange. Am Ende gehen alle aus dem Termin, ohne dass ein nächster Schritt, ein Termin und eine Verantwortlichkeit feststehen.
Stolperstelle: Der Vorwurf wird im Gespräch nicht aufgefangen, sondern erzeugt Rechtfertigung und Gegenrechtfertigung. Der Rahmen bleibt unscharf, der arbeitsbezogene Fokus geht verloren und es entsteht keine Verbindlichkeit. Zusätzlich steigt das Risiko, dass im Nachgang mehr über Personen gesprochen wird als über die Arbeitssituation, was datenschutzrechtlich unnötig ist und die Fronten eher verhärtet.
Vorgehen im Seminar: Zuerst wird der Gesprächsrahmen stabil gesetzt: Ziel des Termins, Rollen, Grenzen, arbeitsbezogener Fokus, keine Gesundheitsdetails. Danach wird das passende Gesprächsformat gewählt, um wieder entscheidungsfähig zu werden. Häufig funktioniert eine kurze Klärung mit dem Mitarbeitenden zu Erwartungen und Sorgen, und eine separate Abstimmung mit der Führung zur Umsetzbarkeit und zum Entscheidungsrahmen. Anschließend folgt ein moderiertes Gespräch zu Optionen und Bedingungen, nicht zur Schuldfrage. Ergebnis ist ein arbeitsbezogener nächster Schritt mit Termin und klarer Zuständigkeit.
Fester Folgetermin: Wiedervorlage zur Nachsteuerung nach zwei bis drei Wochen. Was wurde umgesetzt. Was blockiert. Welche Anpassung oder Entscheidung ist fällig.
BEM-Praxisfall 2: Misstrauen gegen Daten und Dokumentation – Teilnahme kippt Richtung Abbruch
Typischer Effekt: „Ich unterschreibe nichts“ wird zur Vollbremsung. Das Verfahren stockt, Termine werden abgesagt oder nur noch schriftlich gefordert.
Ausgangslage: Im Gespräch bittet die BEM Fallverantwortliche um Unterlagen oder um eine Einwilligung zur Dokumentation. Der Mitarbeitende reagiert sofort mit Misstrauen: „Sie sammeln das gegen mich.“ Er kündigt an, nichts zu unterschreiben und entweder nur noch schriftlich zu kommunizieren oder gar nicht mehr zu kommen.
Stolperstelle: Datenschutz wird zum Machtkampf. Es fehlt eine klare Abgrenzung zwischen dem, was für die Fallführung arbeitsbezogen notwendig ist, und sensiblen Gesundheitsdetails, die nicht in die Dokumentation gehören. Dadurch entsteht das Gefühl, die Kontrolle über die eigenen Daten zu verlieren. Misstrauen ersetzt Mitwirkung.
Vorgehen im Seminar: Sie sehen, wie Sie in solchen Situationen Transparenz schaffen, ohne zu diskutieren oder zu drängen. Es wird klar benannt, wofür Dokumentation gebraucht wird, wer Zugriff hat und was ausdrücklich nicht erhoben oder gespeichert werden soll. Danach wird der Fall konsequent arbeitsbezogen weitergeführt: Welche Tätigkeiten sind aktuell schwierig, welche Belastungen wirken im Alltag, welche Anpassungen sind denkbar und was ist der nächste umsetzbare Schritt, ohne Diagnosen oder intime Details zum Thema zu machen. Ziel ist, Teilnahme und Arbeitsfähigkeit zu stabilisieren und den Fall wieder in Verbindlichkeit zu bringen.
Fester Folgetermin: Kurzer Folgetermin nach etwa 14 Tagen. Ist die Teilnahme stabil. Wurde der nächste Schritt umgesetzt. Was blockiert noch. Falls nötig wird das Gesprächsformat angepasst, damit der Fall nicht in den Abbruch läuft.
BEM-Praxisfall 3: Führung blockiert – „nicht machbar“ wird zum Endpunkt
Typischer Effekt: Stillstand trotz umsetzbarer Optionen. Der Mitarbeitende zieht sich zurück, Vertrauen sinkt und der Fall bleibt liegen.
Ausgangslage: Im Gespräch bringt die BEM-Fallverantwortliche mehrere umsetzbare Varianten ein, etwa Aufgabenmix, Entlastung oder einen Testlauf. Die Führung reagiert pauschal mit „geht nicht“, ohne Alternativen zu benennen. Der Mitarbeitende erlebt das als Abwertung und sagt: „Dann eben nicht mehr“, und zieht die Mitwirkung zurück oder kündigt Abbruch an.
Stolperstelle: Es fehlt ein klarer Rahmen, in dem Führung entscheiden kann. Statt weniger, konkret entscheidbarer Optionen werden zu viele Ideen gesammelt. Die Führung verweigert die Entscheidung, weil Aufwand und Unsicherheit dominieren und niemand festlegt, was bis wann geprüft und entschieden wird. Der Fall kippt vom arbeitsbezogenen Vorgehen in Frust und Stillstand.
Vorgehen im Seminar: Sie sehen, wie Sie in solchen Situationen aus einer Maßnahmensammlung zwei bis drei entscheidbare Varianten machen, jeweils mit klaren Bedingungen für die Umsetzung im Arbeitsalltag. So wird Führung wieder entscheidungsfähig, ohne dass das Gespräch zur Grundsatzdebatte wird. Zusätzlich wird ein konkreter nächster Schritt festgelegt, der sofort starten kann, zum Beispiel als befristeter Testlauf, mit klarer Zuständigkeit und Termin. Ziel ist Verbindlichkeit, ohne Druckkulisse, und ein arbeitsbezogener Fortschritt, der den Fall wieder bewegt.
Fester Folgetermin: Wiedervorlage zur Wirkungskontrolle nach etwa zwei Wochen. Was wurde umgesetzt. Wirkt der Testlauf. Was muss angepasst werden. Wenn es weiter blockiert, wird der nächste Entscheidungsschritt klar terminiert und auf die passende Ebene gehoben, ohne Gesundheitsdetails.
FAQ: BEM-Komplexfälle & Eskalationen – Praxisfragen, kurz gelöst
Stabilisieren Sie zuerst den Rahmen und wechseln Sie ins passende Gesprächsformat – erst dann Inhalte klären und einen nächsten Schritt festlegen.
Setzen Sie Ziel, Rollen und Gesprächsregeln neu: „Wir klären heute, was im Arbeitsalltag wieder möglich wird – und welchen nächsten Schritt wir bis wann vereinbaren.“ Vermeiden Sie Rechtfertigungsschleifen. Nutzen Sie bei Eskalation zunächst ein kurzes Vorgespräch (HR–Mitarbeitender) und/oder (HR–Führung), dann ein moderiertes Dreiergespräch. Abschluss immer mit nächster Schritt – Zuständigkeit – Termin plus Wiedervorlage.
Machen Sie Transparenz zur Methode: Was wird wozu festgehalten – und was ausdrücklich nicht – und führen Sie konsequent arbeitsbezogen weiter.
Erklären Sie knapp und wiederholbar Zweck, Grenzen und Zugriff: dokumentiert wird das Steuerungsminimum (nächster Schritt, Termin, Zuständigkeit, Entscheidungspunkt, Ergebnis), keine Gesundheitsdetails. Danach konsequent auf Arbeitsalltag, Aufgabenprofil, Belastungen, Optionen und Umsetzbarkeit fokussieren. Misstrauen sinkt, wenn der Prozess sichtbar und begrenzt ist.
Geben Sie echte Optionen und sichern Sie Kontrolle – aber halten Sie den Prozess über eine klare Entscheidungsfrage am Laufen.
Bieten Sie Wahlmöglichkeiten (Setting, Reihenfolge, Beteiligte, Pausen) und benennen Sie zugleich die Leitfrage: „Was ist für Sie als nächster Schritt überhaupt denkbar?“ Ziel ist Teilnahmebereitschaft durch Klarheit, nicht durch Druck. Vereinbaren Sie am Ende zumindest einen kleinen, arbeitsbezogenen Testschritt und einen festen Folgetermin.
Machen Sie Entscheidungen prüfbar: 2–3 Varianten, klare Bedingungen, ein Entscheidungspunkt mit Termin – und ein Startschritt, der sofort möglich ist.
Statt Maßnahmenlisten strukturieren Sie Varianten mit Umsetzungsbedingungen („Was braucht es, damit es funktioniert?“). Legen Sie einen Entscheidungspunkt fest („bis Datum X“). Wenn möglich, definieren Sie einen kleinen Testlauf parallel – das verhindert Vertagung und macht Fortschritt sichtbar.
Ordnen Sie Kanäle und Entscheidungen: ein Ansprechpartner, ein Entscheidungskanal, klare Gesprächsagenda – dann wird der Fall wieder führbar.
Vereinbaren Sie, wo Entscheidungen getroffen werden (Gespräch), und was schriftlich festgehalten wird (Steuerungsminimum). Arbeiten Sie mit Vorgesprächen zur Entschärfung und einem moderierten Termin für die Entscheidung. Wichtig: Jede Runde endet mit nächstem Schritt, Zuständigkeit, Termin und Wiedervorlage.
Wechseln Sie konsequent auf Arbeitsfähigkeit im Aufgabenprofil – Gesundheitsdetails sind nicht der Steuerungshebel im BEM.
Nutzen Sie eine klare Brücke: „Für BEM brauchen wir Klarheit, was im Arbeitsalltag möglich ist und welche Anpassung wirkt.“ Dann arbeiten Sie mit Aufgabenprofil, Belastungsfaktoren, Schutzfaktoren, Startbedingungen und konkreten Testschritten. Das reduziert Streit und erhöht Umsetzbarkeit.
Fünf Punkte reichen: Rahmen klären, Arbeitsalltag konkretisieren, Varianten prüfen, Entscheidung terminieren, Wiedervorlage setzen.
- Ziel & Rollen klären (wer steuert/wer entscheidet/wer liefert zu)
- Arbeitsalltag konkretisieren (woran hakt es konkret?)
- 2–3 Varianten bilden und auf Umsetzbarkeit prüfen
- Entscheidungspunkt mit Termin festlegen (wer entscheidet was bis wann?)
- Abschluss mit Wiedervorlage (fester Folgetermin zur Nachsteuerung)
Weil Leitfäden meist Normalfälle abdecken. In Eskalationen braucht es etwas anderes: die richtige Wahl des Gesprächsformats, Deeskalation im richtigen Moment und klar geführte Entscheidungspunkte.
Sie ergänzen Ihren bestehenden Leitfaden um eine praxistaugliche Vorgehensweise für Eskalationsfälle: Blockaden früh erkennen, passende Gesprächsformate einsetzen, Entscheidungen vorbereiten und einen klaren Abschluss mit fester Wiedervorlage sichern. So werden schwierige Fälle wieder anschlussfähig, statt in Abstimmungsschleifen stecken zu bleiben.
Ja, weil ein einziger eskalierter Fall über Wochen Kapazität bindet und Rückstau, Reibung und Nebenkanäle erzeugt.
Das Seminar liefert wiederholbare Routinen, die Zeit sparen: schneller klären, schneller entscheiden, schneller nachsteuern. Das erhöht Planbarkeit in HR und reduziert „Hängefälle“.
Es ist BEM-Fallsteuerung unter Konfliktdruck: arbeitsbezogen, prozessklar, mit Entscheidung und Nachsteuerung.
Sie lernen keine „Konfliktlösung um jeden Preis“, sondern wie BEM als arbeitsbezogener Suchprozess handlungsfähig bleibt – durch passende Settings, klare Rollen, Entscheidungspunkte und Wiedervorlage.
Sie erhalten ein praxistaugliches, BAG orientiertes Vorgehen für den Umgang mit BEM Komplexfällen, ohne Einzelfallprüfung und ohne Rechtsversprechen.
Im Fokus stehen Transparenz, Freiwilligkeit, arbeitsbezogene Steuerung, ein klares Dokumentationsminimum und nachvollziehbare Entscheidungen. Das reduziert Konflikt und Haftungsrisiken im Verfahren, ersetzt aber keine rechtliche Prüfung im konkreten Einzelfall.
Beteiligung wird steuerbar, wenn Zweck, Informationsgrenzen und der nächste Entscheidungspunkt klar definiert sind.
Im Seminar geht es um Schnittstellenführung: Wozu wird beteiligt, welche arbeitsbezogenen Informationen sind nötig, welche Entscheidung ist danach fällig – und bis wann? So unterstützt Beteiligung, statt den Fall in Endlosabstimmung zu ziehen.
Intern geht es, wenn Moderation, Entscheidungsvorbereitung und Wiedervorlage sicher beherrscht werden – extern hilft punktuell bei Neutralität oder hoher Eskalation.
Wenn intern Kapazität oder Neutralität fehlt, kann ein externer BEM-Berater gezielt stabilisieren, ohne den Prozess aus der Hand zu geben. Das Seminar zeigt, welche Aufgaben intern sitzen müssen und wo externe Unterstützung sinnvoll andockt.
Ab Tag 1 arbeiten Sie mit einer klaren Routine: Blockaden früh erkennen, das passende Gesprächsformat wählen, Entscheidungen terminieren und die Nachsteuerung über feste Folgetermine sichern.
Sie erkennen Blockaden schneller, führen Gespräche zielgerichteter und halten nächste Schritte verbindlich fest. Das senkt das Abbruchrisiko, reduziert Reibung im Verfahren und macht BEM-Komplexfälle wieder planbar.
Passende Vertiefungen im HR-Fokus
Eskalationen entstehen häufig dort, wo Gesprächsrahmen, Widerstand und Vereinbarungen nicht sauber greifen. Genau hier setzt die Vertiefung „BEM-Gespräche wirksam führen“.
Für Stabilisierung und Rückfallprävention – insbesondere bei psychischer Belastung – erweitert „BEM bei psychischen Erkrankungen“ die Maßnahmen- und Schnittstellenperspektive.
Steckt die Blockade in Rollenunklarheit oder Schnittstellenreibung, ordnet „Rollen & Zusammenarbeit im BEM“ Zuständigkeiten und Eskalationswege.
Für Qualifizierung und Umsetzung im Betrieb finden Sie hier die passenden nächsten Schritte:
Rechtlicher Hinweis
Juristisch fundiert, BAG- und DSGVO-orientiert, risikominimierend – keine Rechtsberatung im Einzelfall; eine verbindliche rechtliche Absicherung des Verfahrens oder seiner Anwendung wird nicht zugesagt.
