BEM bei psychischen Erkrankungen: Wenn Standardmaßnahmen nicht greifen, bleiben Fälle länger offen
BEM wird dort instabil, wo Stabilisierung und Nachsteuerung nicht verbindlich geführt werden. Warnsignale werden zu spät erkannt: Arbeitspensum und Erreichbarkeit bleiben ungeklärt, Zuständigkeiten sind diffus und der feste nächste Termin fehlt. Dadurch kippen Fälle in Endlosschleifen oder brechen ab.
In diesem Live Online-Tagesseminar entwickeln Sie eine praxistaugliche Vorgehensweise für psychische Erkrankungen im BEM, wenn Standardmaßnahmen nicht greifen. Im Zentrum steht ein hoher Individualisierungsgrad der Maßnahmen und die saubere Passung zur konkreten Situation: Was stabilisiert arbeitsplatznah, was überfordert, was braucht Zeit, und was muss sofort geklärt werden. Sie verbinden Gesprächsführung, Schutzfaktoren, Krisenplan und eine verlässliche Follow-up-Routine so, dass Stabilisierung planbar nachgehalten und bei Bedarf nachgesteuert wird.
Ein Schwerpunkt liegt auf der professionellen Auswahl und Ansteuerung externer Unterstützungsangebote aus Gesundheits- und Sozialwesen. Sie lernen, wie Sie passende Hilfen identifizieren, wie Sie Schnittstellen klären und wie Sie die Umsetzung im Betrieb so begleiten, dass Entscheidungen nicht im Ungefähren bleiben. Die Gesprächsführung ist dabei kein Soft Skill, sondern das Steuerungsinstrument: Sie üben Formulierungen und Gesprächssequenzen, die Sicherheit geben, Grenzen klären und trotzdem tragfähig bleiben.
Rechtlich fundiert. Psychologisch geschult. Ökonomisch gedacht.
HR Fokus • BEM Online-Tagesseminare für Personalleitung & HR-Management, BEM-Beauftragte und Personalreferent*innen: von Grundlagen bis Spezialfällen.
Live-online bundesweit aus Kassel/Nordhessen und Projekterfahrung u. a. für Teams in Fulda, Göttingen, Hannover, Frankfurt am Main, Dortmund und Hamburg.
Veranstaltungsnummer: B-HR-OS 09-2026
Worum es in diesem Seminar wirklich geht
Psychische Erkrankungen machen BEM-Fälle in der Praxis oft zäh, rückfallgefährdet und in der Gesprächsführung anspruchsvoll. Daraus entstehen typische Probleme, die viele BEM-Teams und BEM-Beauftragte kennen:
- BEM-Gespräche kippen in Richtung „Therapie“ oder bleiben so allgemein, dass keine arbeitsbezogene Klärung entsteht.
- Maßnahmen bleiben generisch („Therapie empfohlen“, „weniger Stress“) und werden im Betrieb nicht startfähig.
- Krisen- und Rückfallrisiken sind nicht eingeplant – es fehlen Schutzfaktoren, klare Grenzen und ein fester nächster Termin zur Nachsteuerung.
- Der Verlauf wird nicht geführt: Fälle bleiben offen, Wiedervorlagen fehlen, Nachhalten passiert zu spät.
Dieses Seminar vermittelt eine Vorgehensweise, die im Alltag standardisiert werden kann: klare Schrittfolge, Gesprächsführung mit professionellen Grenzen, arbeitsplatznahe Stabilisierung und eine Follow-up-Routine mit festen Terminen. Der Unterschied liegt dabei häufig in der Passung: individuell zugeschnittene Maßnahmen und sichere Orientierung im Gesundheits- und Sozialwesen mit seinen ausdifferenzierten Angeboten – damit Unterstützung nicht zufällig, sondern zielgerichtet eingebunden wird. Ziel ist, dass psychische Fälle nicht „laufen“, sondern verlässlich geführt werden – ohne Rollenkonflikte und ohne Datenschutz-Übersteuerung.
Für wen ist das Seminar?
Dieses Live-Online-BEM Seminar richtet sich an Unternehmen, die psychische BEM-Fälle im Alltag stabil, datensparsam und anschlussfähig führen wollen. Mit klaren Grenzen im Gespräch, arbeitsbezogener Stabilisierung und festen nächsten Schritten.
HR Manager / HR Business Partner / BGM-Fachkräfte
Passend, wenn psychische Fälle lange offen bleiben, Abstimmungen mit Führung viel Zeit kosten und Sie einen einheitlichen Qualitätsstandard etablieren wollen: klare Vorgehensweise, saubere Rollen und verlässlicher Nachsteuerung. Damit Vertretungen und Standortwechsel anschlussfähig bleiben. Ziel ist eine nachhaltige Wirkung, konkret: weniger Abbrüche, weniger Rückfälle, stabilere Rückkehr.
BEM-Verantwortliche / BEM-Koordinatoren / Integrationsteam
Ideal, wenn Sie in dezentralen Strukturen einheitlich arbeiten müssen und eine praxistaugliche Linie brauchen: Gesprächsführung mit Grenzen, Stabilisierung am Arbeitsplatz, Krisenplan und festen nächsten Termin, damit Fälle nicht „laufen“, sondern geführt werden.
BEM-Beauftragte, Case Manager, Personalreferent:innen, BGM-Fachkräfte, HR Business Partner mit BEM-Rolle
Dieses Seminar ist besonders hilfreich, wenn im Gespräch Belastung, Angst, Rückzug, Überforderung oder Konflikte im Raum stehen und Sie dann Formulierungen, Leitplanken und klare nächste Schritte brauchen, ohne in „Pseudo-Therapie“, Diagnosen oder Überdokumentation abzurutschen.
Ergebnis nach einem Tag
Sie gehen aus dem Seminar mit einer praxistauglichen Vorgehensweise, die psychische BEM-Fälle im Alltag stabil führbar macht. Ohne Überdokumentation und ohne dass Gespräche in Richtung „Therapie“ kippen:
- Klare Schrittfolge für psychische Fälle: Von arbeitsbezogener Klärung über Stabilisierung und Vereinbarungen bis zum Abschluss. Mit klarem nächsten Schritt, Zuständigkeit und festem nächstem Termin, damit der Verlauf nicht abreißt.
- Gesprächsführung mit Grenzen: Formulierungen und Leitplanken, um wertschätzend zu bleiben und trotzdem arbeitsbezogen zu klären, ohne Diagnosen zu erfragen und ohne Rollenverwechslung.
- Stabilisierung am Arbeitsplatz statt Standardrezepte: Wie Sie Maßnahmen passgenau auswählen (Arbeitsdosis, Aufgabenmix, Erreichbarkeit, Schutzzeiten, Schnittstellen), damit Vereinbarungen startfähig werden und nicht „auf Verdacht“ bleiben.
- Krisenplan als Sicherheitsnetz: Ein einfaches Vorgehen, wie Warnsignale, Ansprechwege und kurzfristige Schritte vereinbart werden, damit Krisen nicht überraschend eskalieren und Rückfälle weniger wahrscheinlich werden.
- Follow-up-Routine, die wirklich trägt: Kurze Reviews (z. B. 10 Minuten) mit festen Terminen: Was wirkt, was muss angepasst werden, was wird beendet, damit Maßnahmen nachgehalten und nachgesteuert werden und Zeit und Kapazität planbarer werden.
- Schnittstellenkompetenz Gesundheits- und Sozialwesen: Orientierung, wie externe Unterstützung zielgerichtet eingebunden wird, damit Suchschleifen kürzer werden und Maßnahmen zur Situation passen.
Seminarinhalt
Dieses Live Online Tagesseminar ist konsequent auf Problem, Lösung und Umsetzung aufgebaut. Im Fokus stehen psychische BEM-Fälle, die ohne passgenaue Maßnahmen, klare Gesprächsführung und verlässliche Stabilisierung länger offen bleiben oder abbrechen:
Besonderheiten psychischer BEM-Fälle im Betrieb
Verlaufsmuster, betriebliche Trigger, Risiken für Rückfall und Abbruch
Warnsignale erkennen, ohne Diagnosen zu bewerten
Schutzrahmen und Einstieg ins Verfahren
Was sich im Ablauf und in der Kommunikation gegenüber Standardfällen ändert
Rollen und Erwartungen klären, arbeitsbezogen bleiben
Gesprächsführung in sensiblen Situationen
Sprache, Leitplanken und Formulierungen, die Sicherheit schaffen
Umgang mit herausfordernden Gesprächslagen, Grenzen und Verbindlichkeit
Arbeitsbezug sauber klären
Belastungsfaktoren, Arbeitsmenge und Erreichbarkeit konkretisieren
Handlungsbedarf und Prioritäten im Fallverlauf bestimmen
Individuelle Maßnahmen statt Standardrezepte
Passung herstellen: Entlastung, Struktur, Begleitung, klare Grenzen
Arbeitsanpassung, Belastungssteuerung, Etappen und Stufenplanung
Umsetzung im Betrieb sicherstellen
Vereinbarungen startfähig machen: Zuständigkeit, Starttermin, nächste Schritte
Zusammenarbeit mit Führung, HR und BGM ohne Doppelarbeit
Externe Unterstützung gezielt einbinden
Wann erforderlich, wie gesteuert, Zuständigkeiten und Kommunikationswege
passende Angebote im Gesundheits- und Sozialwesen
Stabilisierung im Verlauf und Abschluss im Verfahren
Krisenplan, Schutzfaktoren, Rückfallrisiken begrenzen
Dokumentation und Datenschutz nach Minimalprinzip, Abschlusskriterien, Transfer in Standards
Preis & Mehrteilnehmer-Regelung
Einzelplatz: 790,00 EUR netto zzgl. USt. (940,10 EUR brutto)
Team-Staffel (netto pro Person):
• 2–3 Teilnehmende aus derselben Organisation: 740,00 EUR
• ab 4 Teilnehmenden aus derselben Organisation: 690,00 EUR
Termine (feste Termine und auf Anfrage)
Feste Termine:
- Dienstag, 12.05.2026, 09:00–16:30 Uhr
- Donnerstag, 13.08.2026, 09:00–16:30 Uhr
- Dienstag, 17.11.2026, 09:00–16:30 Uhr
Zusätzlich: Durchführung auf Anfrage (Teamtermin live-online oder Inhouse).
Storno & Umbuchung
- bis 14 Kalendertage: kostenfrei
- 13–7 Kalendertage: 50 %
- ab 6 Kalendertage / Ausfallregelung: 100 %
- Ersatzteilnehmende jederzeit kostenfrei
Im Preis enthalten
Teilnahme am Online-Tagesseminar. Sie erhalten ein Teilnahmezertifikat sowie praxisorientierte Unterlagen als Nachschlagewerk. Die Inhalte sind BAG orientiert und auf Risikominimierung im BEM-Verfahren ausgerichtet. Hinweis: Die Unterlagen dienen der Orientierung und Umsetzung im Betrieb. Eine Gewähr für die rechtliche Wirksamkeit, Vollständigkeit oder Passgenauigkeit des Verfahrens oder seiner Anwendung wird nicht übernommen.
Dozententeam mit Praxisauftrag
Unsere Seminare werden von Dozentinnen und Dozenten durchgeführt, die neben der Trainingsarbeit auch in der externen BEM-Praxis tätig sind. Dadurch fließen aktuelle Fragestellungen, bewährte Vorgehensweisen und typische Stolperstellen unmittelbar in die Inhalte ein. Ziel ist ein belastbarer Transfer in Ihre BEM-Abläufe, nicht nur Theorie.
Dieses Online-Seminar basiert auf bewährten Präsenzseminaren und ist für das Live Online-Format didaktisch angepasst. Das Seminar ist interaktiv und konsequent auf Umsetzung im Betrieb ausgerichtet, mit klarem Ablauf und konkreten nächsten Schritten.
Teilnehmerstimmen aus vergleichbaren BEM-Seminaren
„hat viele Beispiele aus der Praxis gebracht“
„Hervorragender Dozent, der die Kursinhalte zum BEM fachkundig, praxisnah und lebendig dargestellt hat. Zudem wurden die Kursteilnehmer jederzeit mitgenommen.“
„Das Seminar war sehr anschaulich und mit vielen Praxisbeispielen belegt.“
„ich habe viel mitgenommen“
Auf einen Blick: Drei Hebel für wirksames BEM bei psychischen Erkrankungen
Psychische Erkrankungen im BEM wirksam begleiten
Psychische Erkrankungen im BEM werden wirksam begleitet, wenn der Fokus konsequent auf Arbeitsfähigkeit und Arbeitskontext liegt: Funktionsbeeinträchtigungen, Belastungstreiber, Schutzfaktoren, arbeitsbezogene Anpassungen und ein fester nächster Termin zur Nachsteuerung. Das Seminar vermittelt eine praxistaugliche Schrittfolge, die Vertrauen schützt und den Verlauf trotzdem steuerbar hält. Auch durch Gesprächsführung und Gesprächstechniken, die auch in herausfordernden Situationen trägt.
Stabilisierung statt Rückfall-Schleifen: Frühwarnzeichen und Krisenplan
Viele Rückfälle entstehen durch Überlastspitzen, Trigger, fehlende Nachsteuerung und unklare Zuständigkeiten. Im Seminar lernen HR Manager, HR Business Partner und BEM-Verantwortliche, wie Stabilisierung konkret aufgebaut wird: Frühwarnzeichen, Stop-Kriterien, Reaktionswege, Maßnahmen in Etappen und verbindliche Follow-ups, damit Fälle nicht abreißen, sondern geführt werden.
Maßnahmen, die im Betrieb wirklich starten
Statt pauschaler Empfehlungen geht es um passgenaue, umsetzungsfähige und arbeitsbezogene Maßnahmen: Arbeitsgestaltung, Priorisierung, Erreichbarkeit, Kommunikationsregeln, Schnittstellenentlastung und eine belastbare Wiedereinstiegsplanung.
Damit diese Maßnahmen tragen, arbeiten Sie mit einer multifaktoriellen Fallaufnahme: Welche Belastungsfaktoren wirken gleichzeitig, welche Bedarfe sind erkennbar, welche Ressourcen und Kompetenzen sind vorhanden, und wo liegen die Engstellen im Arbeitsalltag. Auf dieser Basis wählen Sie externe Unterstützung nicht nach dem Motto „irgendwer hilft“, sondern nach Passung: geeignete Angebote im Gesundheits und Sozialwesen, zielgerichtet eingebunden und mit klaren Zuständigkeiten. Beispiele sind medizinische Behandlung, Reha, psychosoziale Beratung oder EAP, jeweils dort, wo es für die Stabilisierung im Arbeitskontext sinnvoll ist.
Quick Facts: Daten, Zahlen, Fakten zu psychischen Erkrankungen im BEM
Diese Zahlen sind für HR im BEM deshalb so relevant, weil psychische Erkrankungen typischerweise lange Verläufe, Rückfallrisiken und hohe Reibungsverluste erzeugen – und damit Maßnahmenplanung, Nachhalten und Nachsteuerung über Erfolg oder „Dauerfälle“ entscheiden.
Altenpflege: 573 psychisch bedingte Fehltage je 100 Beschäftigte (2024)
Laut DAK Psychreport 2025 entfielen 2024 in der Altenpflege auf 100 Beschäftigte 573 psychisch bedingte Fehltage.
DAK Psychreport 2025: https://www.dak.de/dak/unternehmen/reporte-forschung/psychreport-2025_91766
Rechenbeispiel (300 Beschäftigte):
573 Fehltage/100 = 5,73 Tage je Beschäftigtem ⇒ 5,73 × 300 = 1.719 Fehltage/Jahr.
Depressionen: +50 % mehr Fehltage (2024 vs. 2023)
Depressionen verursachten laut DAK 2024 rund 50 % mehr Fehltage als 2023: 183 Fehltage je 100 Beschäftigte (2024) vs. 122 (2023). (DAK-PM/Download Psychreport 2025: https://caas.content.dak.de/caas/v1/media/131628/data/b365197587f5bdb2779b5bb3fa719fd4/250415-download-pm-psychreport.pdf)
Was diese Fehltage wirtschaftlich bedeuten – konservativ gerechnet
Die BAuA weist für 2024 152,00 EUR Produktionsausfallkosten pro Arbeitsunfähigkeitstag aus (gesamtwirtschaftliche Durchschnittswerte). Quelle: „Volkswirtschaftliche Kosten durch Arbeitsunfähigkeit 2024“: https://www.baua.de/DE/Themen/Monitoring-Evaluation/Zahlen-Daten-Fakten/pdf/Kosten-2024.pdf?__blob=publicationFile&v=4&utm_source=chatgpt.com)
Wenn man das obige Beispiel (1.719 Fehltage) damit grob bewertet:
- Produktionsausfall: 1.719 × 152 € = 261.288 € pro Jahr.
- Alternativ – je nach Betrachtung – weist die BAuA auch Werte zur Bruttowertschöpfung aus; dadurch können die wirtschaftlichen Effekte höher ausfallen, 258 EUR/Fehltag.
Praxisfälle aus dem betrieblichen Eingliederungsmanagement
BEM-Praxisfall 1: Depression mit kognitiver Erschöpfung – „Ich bin wieder da, aber mein Kopf ist wie Watte“
Ausgangslage: Rückkehr nach längerer AU. Im Alltag sichtbar: Konzentrationsabfall, reduzierte Verarbeitungsgeschwindigkeit, Anlaufschwierigkeiten am Morgen, Unsicherheit im Teamkontakt. Diagnosen bleiben außen vor.
Typischer Fehler: Rückkehr wird nur über Stunden gesteuert („50/70/100 %“), nicht über Reizlast, Prioritäten und Aufgabenmix.
Arbeitsbezogenes Vorgehen (BEM bei psychischen Erkrankungen):
- Funktionsprofil statt Diagnosefragen: Was gelingt verlässlich? Was kippt unter Zeitdruck/Unterbrechungen?
- Aufgabenampel:
- Grün: klar strukturierte Routineaufgaben
- Gelb: moderater Abstimmungsaufwand
- Rot: Multitasking, „Feuerwehr“-Tasks, konfliktbeladene Gespräche, parallele Projekte
- Stabilisierung über 4–6 Wochen: Fokusblöcke, reduzierte Meetingdichte, feste Priorisierung durch Führung, keine ad-hoc Sonderaufträge.
- Fester Folgetermin: kurzer Review-Takt (z. B. Woche 2/4/8), Anpassung statt Durchhalten.
Vereinbarung (Beispiel): 4 Wochen max. 1 Projekt parallel; Meetings erst ab 10 Uhr; wöchentliche 1-Seiten-Prioritätenliste durch Führung; Stopp-Kriterium: 2 Tage deutlicher Konzentrationsabfall → Review binnen 5 Arbeitstagen.
Erfolgskriterium: stabile Anwesenheit ohne Überlastspitzen, planbarer Output, keine Rückkehr in die AU.
BEM-Praxisfall 2: Angst/Panik im Kundenkontakt – „Ans Telefon kann ich nicht, sonst kippe ich weg“
Ausgangslage: Service-/Call-Umfeld, Eskalationskundschaft triggert starke körperliche Stressreaktionen und Vermeidung. Rückkehr ist geplant, das Triggerumfeld bleibt aber unverändert.
Typischer Fehler: Kaltstart in Vollkontakt („wird schon gehen“) – ohne Schutzregeln, ohne stufenweisen Aufbau.
Arbeitsbezogenes Vorgehen (berufliche Wiedereingliederung nach psychischer Erkrankung):
- Auslöser-Übersicht: Welche Kundentypen, Tageszeiten, KPI-Drucksituationen, Eskalationsmuster?
- Belastung dosieren: stufenweise: Backoffice/Chat/E-Mail → ausgewählte Standardcalls → erst später schwierige Fälle.
- Sofort-Regeln im Team: Mikro-Pausen, definierter „Reset“-Prozess, Handzeichen/Codewort zur Unterbrechung ohne Bloßstellung.
- Übergaberegel: Wer übernimmt Eskalationsfälle, wie wird übergeben, ohne zu stigmatisieren?
Vereinbarung (Beispiel): 2 Wochen 70 % schriftliche Kanäle, 30 % Standardcalls; Eskalationsfälle nur nach Rücksprache; Review nach 10 Arbeitstagen (Erhöhung erst bei Stabilitätskriterien).
Erfolgskriterium: kontrollierter Ausbau, sinkende Vermeidung, keine erneute AU.
BEM-Praxisfall 3: Stark schwankende Leistungsphasen – „In guten Wochen übernehme ich alles, dann kommt der Einbruch“
Ausgangslage: Phasenweise sehr hohe Leistungsbereitschaft, dann deutlicher Einbruch. Team erlebt Unzuverlässigkeit; Konfliktkosten steigen. Diagnosen werden nicht dokumentiert, gearbeitet wird mit beobachtbaren Arbeitsmustern.
Typischer Fehler: Überleistung wird kurzfristig „belohnt“ (immer mehr Aufgaben), bis die Überdehnung kippt.
Arbeitsbezogenes Vorgehen:
- Zielbild: Planbarkeit und verlässliche Zusagen, ohne Pathologisierung.
- Leitplanken für Zusagen: keine spontanen Zusatzprojekte, Maximalgrenzen, kritische Entscheidungen nur mit Vier-Augen-Check.
- Frühwarnzeichen arbeitsbezogen: auffällig viele neue Initiativen, starkes Tempo, Konflikthäufung → Review auslösen.
- Team-Planbarkeit: Vertretungs- und Übergaberegeln für instabile Phasen.
Vereinbarung (Beispiel): 6 Wochen keine Überstunden, keine neuen Projekte ohne Freigabe; wöchentlicher 15-Minuten-Review Führung + HRBP; Stopp-Kriterium: Überdehnung → 5 Arbeitstage Arbeitslast reduzieren + Review.
Erfolgskriterium: weniger Peaks/Einbrüche, höhere Planbarkeit, weniger Konflikte.
BEM-Praxisfall 4: Zwangstendenzen/Perfektionismus – „Ich brauche doppelt so lange, weil ich alles mehrfach prüfe“
Ausgangslage: Qualitätskritische Rolle, zum Beispiel Finance oder Reporting. Die betroffene Person prüft Ergebnisse wiederholt, hat starke Angst vor Fehlern, verzögert Abgaben, macht Überstunden und ist erschöpft. Der Fokus bleibt konsequent arbeitsbezogen.
Typischer Fehler: Appelle wie „Reiß dich zusammen“ statt Anpassung der Arbeits und Qualitätsroutine.
Arbeitsbezogenes Vorgehen: wirksame Maßnahmen statt Standardrezepte
- Klarer Qualitätsstandard je Aufgabe
Für jedes Ergebnis wird schriftlich festgelegt, was als „ausreichend gut“ gilt. Nicht Perfektion entscheidet, sondern klare Kriterien. - Zeitbegrenzung und feste Prüfpunkte
Die Bearbeitung wird in Abschnitte geteilt. Nach jedem Abschnitt gibt es einen kurzen, festen Prüftermin. Danach wird nicht endlos weiter optimiert. - Kollegiale Gegenprüfung statt Alleinverantwortung
Eine Kollegin oder ein Kollege prüft das Ergebnis kurz anhand einer Checkliste und gibt es frei oder benennt wenige konkrete Korrekturen. Das nimmt Druck aus dem ständigen Selbstprüfen. - Kommunikationsregel zur Entlastung
Unsicherheit darf früh angesprochen werden. Es geht um Klärung, nicht um Rechtfertigung oder Selbstabwertung.
Vereinbarung, Beispiel
Report: Checkliste mit maximal 12 Punkten. Bearbeitungszeit maximal 90 Minuten. Danach 15 Minuten kollegiale Gegenprüfung anhand der Checkliste. In der Pilotphase keine Überstunden. Nach zwei Wochen gemeinsamer Termin zur Auswertung und Anpassung.
Erfolgskriterium
Die Qualität bleibt stabil, die Bearbeitungszeit sinkt und die Erschöpfung nimmt ab.
Praxisfall 5: Krisenhinweis im BEM-Gespräch – BEMbleibt handlungsfähig, ohne Therapie zu spielen
Ausgangslage: Im Gespräch fallen indirekte Hinweise („Manchmal wäre es besser, nicht mehr aufzuwachen“). Fallmanager ist alarmiert, aber unsicher: Was ist der nächste richtige Schritt und wie bleibt die Rolle sauber?
Typischer Fehler: Wegsehen aus Angst, oder in ein „Therapiegespräch“ rutschen – beides erhöht Risiko und Unsicherheit.
Arbeitsbezogenes Vorgehen (klare Notfallkette, datensparsam):
- Ernst nehmen, rollenrein bleiben: BEM-Beauftragter stellt Sicherheit her und organisiert Weiterleitung, keine Diagnostik.
- Kurzer Sicherheitscheck: klare, kurze Frage nach akuter Gefahr (ohne Details zu vertiefen).
- Sofortmaßnahme je nach Lage:
- Akute Gefahr: Notruf 112.
- Dringend, aber nicht lebensbedrohlich: ärztlicher Bereitschaftsdienst
- Anonymes Gesprächsangebot: TelefonSeelsorge
- Dokumentation minimal: „Krisenhinweis – Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet – nächste Schritte vereinbart“ (keine Details).
Vereinbarung (Beispiel, nicht akut): innerhalb 24–48 h Kontakt zu geeigneter Hilfe; Follow-up-Termin in 48–72 h; Arbeitsbelastung bis Stabilisierung begrenzen (z. B. keine Alleinarbeit, klare Grenzen).
Erfolgskriterium: Sicherheit hergestellt, passende Hilfe angebunden, Rückkehr erst dann schrittweise aufbauen.
FAQ: BEM bei psychischen Erkrankungen – Stabilisierung, Nachsteuerung, Rückfälle vermeiden
Wirksam sind arbeitsbezogene, startfähige Maßnahmen mit festem nächstem Termin.
Im Alltag bewähren sich Maßnahmen, die Arbeitsfähigkeit im Kontext stabilisieren: Aufgabenmix und Prioritäten, Schutz vor Überlastspitzen, klare Kommunikations- und Schnittstellenregeln, dosierter Belastungsaufbau und kurze Reviews. Entscheidend ist: wenige, umsetzbare Schritte, die geführt werden (Zuständigkeit, Starttermin, fester nächster Termin, Abschlusskriterium) – statt lange Listen ohne Umsetzung.
Frühwarnzeichen + Stop-Kriterien + 2/4/8-Wochen-Reviews verhindern Rückfall-Schleifen.
Rückfälle entstehen häufig, wenn Belastung schnell steigt, Warnzeichen übersehen werden oder Nachsteuerung fehlt. Praxisbewährt ist ein Stabilitätsplan: arbeitsbezogene Frühwarnzeichen (z. B. Reizlast, Meetingdichte, Konfliktlage), Stop-Kriterien (wann wird sofort nachgesteuert), Reviews nach 2/4/8 Wochen – und die Regel: keine Phase ohne nächsten Termin.
Diagnosen sind für BEM meist nicht erforderlich; besser ist arbeitsbezogene Klärung.
Für ein wirksames BEM reicht die Funktions- und Kontextebene: Was ist aktuell arbeitsbezogen möglich, was überfordert, welche Rahmenbedingungen stabilisieren? Das Seminar zeigt Formulierungen, die vertrauensschützend, datensparsam und stigmaarm bleiben – ohne Diagnose-Falle und ohne Detailprotokolle.
Nicht nur Zeit steuern – vor allem Tätigkeiten, Reizlast und Unterbrechungen dosieren.
Wirksam wird Wiedereingliederung, wenn neben Stunden auch Aufgaben, Unterbrechungen, Entscheidungsdruck, Konfliktdichte, Erreichbarkeit und Meetinglast gesteuert werden. Sie lernen eine Etappenplanung („Arbeitsdosis“), die festlegt: was startet sofort, was später, was bleibt vorerst außen vor – mit Review-Takt.
Sicherheitsrahmen + arbeitsbezogener Fokus + kleine, reversible Schritte.
Mit klarer Freiwilligkeit, Rollenrahmen und Sprache bleibt BEM handlungsfähig, ohne Druck aufzubauen. Sie arbeiten über Arbeitsfähigkeit statt Gesundheitsauskunft, vereinbaren kleine, rücknehmbare Schritte und setzen einen festen nächsten Termin – so entsteht Bewegung, ohne Übergrifflichkeit.
Arbeitsbezogene Ergebnisdokumentation statt Gesundheitsprotokoll.
Dokumentiert werden: Ziel, Maßnahme, Zuständigkeit, Starttermin, fester nächster Termin/Review und Ergebnis plus Prozessspur (Angebot, Termine, Abschlussstatus). Keine Diagnosen, keine Detailprotokolle.
EAP hilft, ersetzt aber nicht die arbeitsbezogene Steuerung im Betrieb.
EAP ist ein wichtiger Baustein. Im Betrieb müssen trotzdem Arbeitsdosis, Aufgaben, Kommunikation, Reviews und Nachsteuerung geregelt werden – sonst bleibt Unterstützung wirkungslos oder versandet.
BEM greift nicht privat ein, sondern steuert Arbeitsbedingungen.
Der Hebel liegt in Arbeitsgestaltung: Prioritäten, Reizlast, Konfliktentlastung, Schnittstellen, Erreichbarkeit, Etappenplanung und Review-Termine. Das Seminar zeigt, wie Sie Privates und Betriebliches sauber trennen – und trotzdem wirksam handeln.
Sensibilität wird über Methodik und Rollenreinheit gesichert – ohne Falloffenlegung.
Sie arbeiten mit Fallpfaden, Formulierungen, Grenzen, Stabilitätsplänen und typischen Situationen. Keine intime Offenlegung, keine Diagnosen – sondern übertragbare Praxisbausteine.
Risikominimierung durch Freiwilligkeit, Rollenklärung, Datensparsamkeit und Prozessspur.
Sie erhalten Vorgehen, die BAG-orientiert, juristisch robust und risikominimierend ist – ohne „Rechtssicherheits“-Versprechen, das wäre nicht seriös.
Gerade bei wenigen Fällen fehlt Routine – Standard schafft Planbarkeit.
Mit wenigen Fällen entstehen leicht Unsicherheit und Reibungsverluste. Ein klarer Standard (Grenzen, Stabilisierung, fester nächster Termin) erhöht Planbarkeit, entlastet Führung und reduziert das Risiko, dass Einzelfälle zu Langläufern werden.
Führung bekommt Do’s/Don’ts und kurze Reviews – ohne Diagnosegespräche.
Sie erhalten Bausteine, die Führung handlungsfähig machen: was sagen, was nicht sagen, wie Priorisierung und Arbeitsgestaltung verbindlich werden, welche Stop-Regeln gelten und wie Reviews kurz und sauber geführt werden.
2–3 Bausteine sofort, der Rest schrittweise – ohne Großprojekt.
Sofort einführbar sind meist: (1) Gesprächsleitplanken (Grenzen & Sprache), (2) fester nächster Termin/Review-Takt, (3) einfache Stabilitätsvereinbarung. Etappenplanung, Schnittstellenregeln und Qualitätsstandard bauen Sie anschließend schrittweise aus.
Passende Vertiefungen im HR-Fokus
Wer Maßnahmen im psychischen Kontext belastbar begründen und umsetzbar planen möchte, findet in „Maßnahmenplanung im BEM“ das methodische Fundament.
Bei festgefahrenen Verläufen, Blockaden oder drohenden Abbrüchen vertieft „BEM-Komplexfälle & Eskalationen“ die Fallsteuerung in schwierigen Dynamiken.
Für planbare Umsetzung und Rückfallprävention über klare Etappen liefert „Stufenweise Wiedereingliederung im BEM“ den passenden Rahmen.
Für Qualifizierung und Umsetzung im Betrieb finden Sie hier die passenden nächsten Schritte:
Rechtlicher Hinweis
Juristisch fundiert, BAG- und DSGVO-orientiert, risikominimierend – keine Rechtsberatung im Einzelfall; eine verbindliche rechtliche Absicherung des Verfahrens oder seiner Anwendung wird nicht zugesagt.
